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Der Orchesterverein Lage
(von Dorothee Altevogt und Gustav Glitt)

Heinrich Hoffmann
Der Orchesterverein Lage wurde im Jahre 1921 aus der Initiative des Holzhändlers und Besitzers der Draweschen Ziegelei Heinrich Hoffmann ins Leben gerufen. In einer Würdigung der „Lippischen Volkszeitung“ heißt es über ihn: „Aus dem Kriege heimgekehrt, widmete er sich mit vollster Hingebung seinen vielseitigen größeren Unternehmungen in Lage, gleichzeitig aber der Förderung und Pflege des Musiklebens.“ In einer Zeit politischer Unsicherheit und wirtschaftlichen Niedergangs nach dem Ende des Ersten Weltkrieges erkannte er in der Gründung einer solchen musikalischen Vereinigung für aktive und passive Mitglieder die Möglichkeit, im gemeinsamen Musizieren und Musikerleben neue erhebende Freuden zu finden und gleichzeitig an einer schönen erzieherischen Aufgabe beteiligt zu sein, die vielen Menschen in ihrer Heimatstadt zugute kommen würde. 
Auf eine in der „Lippischen Volkszeitung“ im Anzeigenteil erschienene Aufforderung und auf persönliche Werbung Heinrich Hoffmanns hin versammelte sich laut Zeitungsbericht „am 2. November 1921 ein kleines Häuflein musikfreudiger Bürger der Stadt Lage. Sie beschlossen, einen Musikverein zu gründen.“An der konstituierenden Versammlung nahmen neun Personen männlichen Geschlechts teil: der Ziegeleibesitzer Heinrich Hoffmann, der Obergerichtsvollzieher Richard Böhm, der Elektromeister August Frohne, der Buch- und Musikalienhändler Carl Heidbrink, der im Druckgewerbe tätige Paul Hammerschmidt (damals wohnhaft Von-Cölln-Straße 9, 1922 nach Oberhausen verzogen), der Bildhauer und Geigenbauer Fritz Dreier, der Musikalienhändler Adolf Nieweg, der Flötist am Lippischen Landestheater Fritz Meerkötter und der im kaufmännischen Bereich der Fleischwarenfabrik Siekmann tätige Emil Knipschild, damals wohnhaft in der Schötmarschen Straße 47. 
In den Vorstand wurden gewählt: Heinrich Hoffmann als Vorsitzender, Richard Böhm als musikalischer Leiter, Emil Knipschild als Kassierer und August Frohne als Notenwart. 
Beschlossen wurde der Name „Musikverein Lage“. Auf Antrag von Heinrich Hoffmann änderte man im Januar 1925 den Namen. Der Verein hieß von da an „Orchesterverein Lage“ : 
Die Vereinsstatuten wurden wie folgt festgesetzt: 
„1. Der Musikverein bezweckt die Pflege und Hebung der Musik. Er ist eine Korporation, welche nur aus Liebe zur Musik spielt. Im Falle einer Mitwirkung bei anderen Veranstaltungen darf nur eine Entschädigung zugunsten der Kasse in Frage kommen. 
2. Die Aufnahme neuer Mitglieder geschieht durch geheime Abstimmung und entscheidet hierbei die einfache Stimmenmehrheit. Bei Stimmengleichheit entscheidet der Vorstand. 
3. Der Beitrag für die activen Mitglieder beträgt pro Jahr 36 Mark und wird derselbe mit monatlich 3 Mark eingezogen. 
4. Für passive Mitglieder beträgt der Jahresbeitrag 24 Mark, halbjährlich zu entrichten. 
5. Die Auflösung des Vereins kann nur erfolgen, wenn weniger als 5 active Mitglieder vorhanden sind und hiervon 2/3 für die Auflösung stimmen. Der evtl. vorhandene Kassenbestand fällt dann dem städtischen Krankenhause zu. Die Immobilien des Vereins werden realisiert und fließt der Erlös ebenfalls dem Krankenhause zu. Persönliches Eigentum bleibt hiervon unberührt. 
6. Als Vereinslokal ist das Amtshaus Lage gewählt und sind die Übungsabende auf Mittwoch jeder Woche festgelegt. 
7. Eine außerordentliche Versammlung muß vom Vorstande einberaumt werden, wenn solche von 2/3 der activen Mitglieder schriftlich beantragt wird. Die jährlichen Generalversammlungen finden im November eines jeden Jahres statt. 
Lage in Lippe, den 2. November 1921, 
als Gründer des Musikvereins Lage Richard Böhm, Fritz Dreier, August Frohne, Carl Heidbrink, Paul Hammerschmidt, Heinrich Hoffmann, Emil Knipschild, Fritz Meerkötter, Adolf Nieweg .“ 

Ein Konzert des Orchestervereins in Sylbach, 1922
Im Verlauf des Jahres 1922 traten dem Verein als aktive Mitglieder bei: 
am 11. 1. Kaufmann Heinrich Tönnies und Sparkassendirektor Georg Schierholz, 
am 16. 3. Malermeister Oswald Wohllebe, 
am 23. 3. Lehrerin Hede Müggenburg, 
am 23. 6. Lehrer Robert Horstbrink und 
am 6. 12. Musiklehrer Paul Schlink 
Am 25. März 1922 gab der Verein sein erstes öffentliches Konzert im Amtshaussaal. Der Abend war als Werbeabend gedacht. Passive Mitglieder mit ihren Familien und Freunden waren geladen. Der vollbesetzte Saal zeugte davon, daß dem jungen Verein lebhaftes Interesse entgegengebracht wurde. Die Aufführungen fanden starken Beifall, und beim anschließenden Tanz herrschte großes Gedränge. Schluß der Veranstaltung war gegen 5.30 Uhr morgens. Die Zahl der passiven Mitglieder stieg im Jahr 1922 auf 78. 
Es folgten 1922 noch vier weitere Konzerte, immer in Verbindung mit anderen Vereinen. Für die örtlichen Gesangvereine und auch die der umliegenden Dörfer war der Musikverein eine willkommene, kostenlose Bereicherung und Begleitung ihrer Vortragsabende, und der Verein mußte in der Folgezeit eine erbetene Beteiligung öfter ablehnen, weil das Programm der geplanten Veranstaltung nicht den Bildungszielen entsprach, die in seinen Statuten festgelegt waren. 
Von Anfang an aber übernahm das Laienorchester Verpflichtungen, die deutlich gemeinnützigen Zwecken dienten, wie das alljährliche Konzert zugunsten der Kriegsbeschädigten (Ortsgruppe Lage). Zum Besten des Turnhallenbaus, der in der Inflationszeit geplant und 1925 vollendet wurde, fanden insgesamt drei Konzerte statt, das erste am 18. Mai 1922. 
Das Zusammengehörigkeitsgefühl von aktiven und passiven Mitgliedern wurde durch regelmäßige Familienabende mit musikalischen Aufführungen nur für Mitglieder und deren Familien sorgfältig gepflegt. Jährlich vor Weihnachten fand das Stiftungsfest statt und im Sommer Ausflüge aller Mitglieder zum Siekkrug oder Junghärtchen, die sich großer Beliebtheit erfreuten. Die Komik unter den vielfältigen musischen Begabungen des Vorsitzenden Heinrich Hoffmann kam dabei voll zur Geltung; es wurde fröhlich getrunken, und oft erst in den frühen Morgenstunden zog die Gesellschaft mit Musik über die Landstraße nach Hause. 
Im Jahr 1923 erging von der Volkshochschule Lage die Aufforderung an den Orchesterverein, als praktische Ergänzung zu den wissenschaftlichen Vorträgen der Schule ein Symphoniekonzert zu veranstalten. Dies war die erste größere Aufgabe, an die der Verein sich wagte. Die Aufführung im Amtshaussaal erfolgte am 21. Februar. Den Einführungsvortrag hielt der Vorsitzende Heinrich Hoffmann. Das 2. Symphoniekonzert fand schon sechs Wochen später, am 4. April 1923, statt. Der Ertrag war zum Besten der Ruhrhilfe bestimmt. Ein Vereinschronist schreibt dazu: „Mit diesen beiden Symphoniekonzerten, die im Musikleben der Stadt Lage etwas Neues bedeuteten, war der Musikverein zu seiner eigensten Aufgabe gelangt, die unvergänglichen Werte in den Werken der großen Meister der Tonkunst weiteren Kreisen zugänglich zu machen und sie in einer Zeit musikalischer Verflachung bewußt entgegenzustellen dem musikalischen Kitsch, der sich in der heutigen Zeit leider breit machen darf. Die vielfache Zustimmung seiner Freunde gab dem Musikverein die Freudigkeit, in dieser zugleich pädagogischen Arbeit fortzufahren.“ 
Die aktiven Mitglieder wurden durch die in den folgenden Jahren kontinuierlich fortgesetzte Reihe der Symphoniekonzerte stark gefordert, und der Vorstand konnte die zusätzlichen Forderungen anderer Vereine, bei ihren Konzerten mitzuwirken, oft aus rein finanziellen Gründen nicht ablehnen, denn das Geld war immer knapp. Die Anschaffung eines dringend benötigten Schrankes zur Aufbewahrung der Noten zog sich über drei Jahre hin. 1924 wurde einer größeren Zahl von Einwohnern der Stadt eine Werbeschrift zugestellt mit der Bitte, den Verein durch eine passive Mitgliedschaft zu unterstützen, damit in größerem Umfang Mittel für seine erzieherischen Aufgaben (Notenmaterial, Anschaffung von zusätzlichen Instrumenten) zur Verfügung ständen. 
Aus Vereinsprotokollen und Zeitungsberichten der frühen zwanziger Jahre wird aber auch deutlich, welch hervorragende Bedeutung die Aufführungen des Musikvereins für die Freizeitgestaltung und musikalische Bildung der umliegenden Dörfer hatte, zu einer Zeit, als der Besitz eines Radios nur wenigen Bürgern vorbehalten war. Da lesen wir zum Beispiel über ein Konzert in Sylbach auf Einladung des Bildungsvereins Sylbach am 28. Oktober 1924: „Was den Zuhörern, die zum Teil ein derartig großes Streichorchester (32 Personen) nicht gehört hatten, geboten wurde, war für unsere Verhältnisse etwas Einzigartiges. Wenn Dorfbewohner in ihrer natürlichen Zurückhaltung so hingerissen und begeistert wurden, wie wir es hier erlebten, so dürfte damit für die Beurteilung der Musik schon genügend gesagt sein.“ Zu einem Doppelkonzert des Musikvereins mit dem Männergesangverein „Liedertafel“ in Helpup beförderte schon der Mittagszug, besonders aber der Drei-Uhr-Zug, eine so gewaltige Menschenmenge nach Helpup, daß der große Saal sich bald als zu klein erwies.“ (Aus dem Protokollbuch des Vereins). 
Das zweite Konzert zugunsten des Turnhallenbaus am 23. September 1924 fand glänzende Würdigung durch einen berufenen Kritiker, auf die der Musikverein stolz sein konnte. Unter den Zuhörern wurden nun auch Musikfreunde aus Detmold und Lemgo gesehen, und bei größeren Konzerten wurde das Orchester durch Kräfte von außerhalb, besonders durch Bläser, verstärkt. Das herausragende Ereignis der ersten zehn Jahre des Bestehens des Orchestervereins und im Musikleben der Stadt Lage, war die Aufführung des Haydnschen Oratoriums „Die Schöpfung“ am 24. Oktober 1926. 
Die öffentliche Hauptprobe für das Oratorium fand am 23. Oktober 1926 statt und vereinigte zum erstenmal alle an der Aufführung beteiligten Kräfte: den aus 250 Sängern und Sängerinnen bestehenden Chor und das durch Musiker aus Detmold, Lemgo und Bielefeld verstärkte Orchester. Die Festhalle an der Eichenallee war an diesem und dem folgenden Tag das Ziel zahlreicher Musikfreunde von nah und fern. Sowohl zur Generalprobe als auch zur Hauptaufführung war die mehr als 1000 Zuhörer fassende Turnhalle bis auf den letzten Platz gefüllt. 
Ein ähnlich herausragendes Ereignis während der folgenden Jahre war das Festkonzert zum 100. Todestag Ludwig van Beethovens am 27. März 1927, über das die Stadt Lage das Protektorat übernommen hatte. Die einleitende Gedenkrede Heinrich Hoffmanns über Leben und Werk des großen Komponisten wurde in der Bielefelder Presse als eine Meisterleistung beurteilt. Ebenfalls ein einmaliges Ereignis für die Region und die Kleinstadt Lage war die Erstaufführung der Operette „Das Dorf ohne Männer“ des verehrten heimischen Komponisten Professor August Weweler aus Detmold am 11. Februar 1928. Die Mehrzahl der Mitglieder des Orchesters hatte hier zum erstenmal Gelegenheit, die Struktur eines Bühnenwerkes durch eigene Mitarbeit kennenzulernen. Unvergeßlich blieb auch allen Teilnehmern die Mitwirkung des Vereins bei der „800-Jahr-Feier“ des Klosters Marienmünster am 15. Juli 1928 als Orchesterbegleitung des Oratoriums „Das Lied von der Glocke“. 
Mit dem Abschluß des Jahres 1928 trat zum allgemeinen großen Bedauern der 1. Vorsitzende Heinrich Hoffmann von der Leitung des Vereins zurück. Sein Nachfolger wurde der bisherige 2. Vorsitzende Lehrer Robert Horstbrink aus Breitenheide. Unter seiner Leitung und auf seine Anregung wurde dem Orchester im Januar 1931 eine Jugendgruppe angegliedert, die noch im selben Jahr bei zwei Konzerten mitwirken konnte. Am 30. Dezember 1931 vollzog der „Orchesterverein Lage“ den Anschluß an den „Reichsbund deutscher Orchestervereine“. 
Das 10. Stiftungsfest wurde mit einem Konzert im Amtshause gefeiert und dabei wurde Rückblick gehalten auf zehn Jahre engagierte und erfolgreiche Vereinsarbeit mit genau 100 Konzerten und Aufführungen. Zum Zeitpunkt des Jubiläums im Jahr 1931 zählte der Orchesterverein 29 aktive und 100 passive Mitglieder. 

Robert Horstbrink

Richard Böhm
Während der Jahre 1930-33 wurde das Orchester zeitweise durch den 1. Vorsitzenden Robert Horstbrink, ab 1932 regelmäßig von Konzertmeister Willy Wilke aus Detmold geleitet, da Richard Böhm nach längerer Krankheit das Amt des Dirigenten niederlegte. Er hatte den Orchesterverein in unermüdlicher erzieherischer Kleinarbeit zu dem gemacht, was er war und es dabei stets verstanden, den aktiven Mitgliedern die Freude und Begeisterung für ihre Arbeit zu erhalten, die das Fundament des Vereins bildeten. 
Am 21. Februar 1933, drei Wochen nach der Machtergreifung Adolf Hitlers, fand ein Symphoniekonzert unter der Leitung von Willy Wilke statt, bei dem zur Eröffnung die „Ouvertüre Nr. 2“ zu den „Hebriden“ des jüdischen Komponisten Felix Mendelssohn gespielt wurde. Schon wenige Wochen später traten die Bestimmungen in Kraft, die das ganze deutsche Vereinswesen in die Fesseln der NS-Diktatur legte. In den Gesang- und Musikvereinen fielen die Vorstände und neu eintretende Mitglieder unter die Kontrolle der Parteiorgane. Dirigenten mußten ausgewechselt werden, Liederbücher wurden beschlagnahmt und durch neue ersetzt. Über das bis dahin blühende Vereinsleben und Zusammenwirken der musikalischen Vereine in Lage breitete sich eine Art Lähmung aus. Im Jahr 1934 war die eigenständige kreative Arbeit des Orchestervereins auf einem Nullpunkt angekommen, die Zahl der aktiven Mitglieder auf 18 gesunken. 
Um diese Krise zu beenden und den Verein am Leben zu erhalten, ergriff Heinrich Hoffmann im Jahr 1935 wieder die Führung, und auch Richard Böhm fand sich bereit, die musikalische Leitung noch einmal zu übernehmen. Es kam zu einem kurzen Aufleben, doch im Jahr 1936 machte sich wieder Vereinsmüdigkeit breit. 
Anfang des Jahres 1937 verstarben plötzlich im Abstand von nur wenigen Wochen Heinrich Hoffmann, Richard Böhm und der nur kurz amtierende Vorsitzende Georg Schierholz, der schon jahrelang die Arbeitsplanung und Programmgestaltung des Vereins maßgeblich beeinflußt hatte. Von diesem schweren Schlag erholte der Verein sich nur langsam. Von 1937 bis zum Kriegsende blieb Robert Horstbrink 1. Vorsitzender und zugleich musikalischer Leiter des Orchestervereins, die Jugendgruppe übernahm der Flötist am Lippischen Landestheater Fritz Meerkötter. 
Das Jahr 1939 war mit acht Veranstaltungen, darunter ein großes Wagnerkonzert, noch einmal ein erfolgreiches Arbeitsjahr. Doch bereits 1940 mußten wegen der vielen Luftalarme die Übungsstunden acht bis neun Monate lang ausfallen. 1941 war der Verein kaum spielfähig. 1942 wird in der Vereinsgeschichte wieder als ein arbeitsreiches, recht befriedigendes Jahr dargestellt, „in dem der Verein sich auf seine Aufgabe besann, das kulturelle Leben in der Stadt Lage auch während des Kriegs zu pflegen.“ 
„Das Jahr 1943 brachte dem Orchesterverein den ehrenvollen Auftrag, bei der 100-Jahrfeier der Stadt Lage am 24. Januar mitzuwirken.“ Danach, im Frühsommer 1943, mußte die Vereinsarbeit ganz eingestellt werden. Letzter Akt war „die Sicherstellung und Auslagerung des Notenbestandes bei verschiedenen Mitgliedern zwecks luftschutzsicherer Unterbringung im Sommer 1944.“ 
Der „Orchesterverein Lage“ nahm seine regelmäßigen Proben am 20. November 1945 wieder auf. Die Militärregierung genehmigte als Vereinsvorstände nur Mitglieder, die keiner Organisation der NSDAP angehört hatten. So übernahm der Geigenbaumeister Fritz Dreier den Vorsitz und der Buchhändler Fritz Heidbrink die musikalische Leitung. 
Am 25. Mai 1948 übernahm Paul Oskar Nebelsiek, vor dem Krieg Konzertmeister in Brünn, die musikalische Leitung des Orchestervereins. Außerdem wurde am 24. August Heinrich Tönnies zum Vorsitzenden gewählt, gleichzeitig Fritz Dreier zum Ehrenvorsitzenden. Der Vereinschronist berichtet dazu: „Das Jahr 1948 kann als Wendepunkt in der Geschichte des Orchestervereins bezeichnet werden. Mit Ausdauer und Begeisterung folgten die Mitglieder dem überlegenen und unbeirrbaren Schaffen des neuen Dirigenten. Schon Ende des Jahres konnte ein Bestand von 28 aktiven Mitgliedern verzeichnet werden. Zufrieden mit den kleinsten Erfolgen des jeweiligen Fortschritts wurde Abend für Abend geprobt. Weder Konzert noch Geselligkeit unterbrach die scheinbar so eintönige Arbeit, bis im September 1949 die Proben mit der Detmolder Musikvereinigung „Mozarteum“ und den Solisten begannen und der Erfolg in greifbare Nähe rückte.“ 
Nach dem ersten Konzert unter Leitung von Paul Oskar Nebelsiek schreibt die „Lippische Landeszeitung“: „Dieser Leistungsanstieg des Vereins berechtigt zu den schönsten Hoffnungen.“ Das nächste große Konzert fand erst ein Jahr später traditionell zum Tag der Hausmusik statt und erhielt wieder glänzende Kritiken. Das war die neue Linie des Vereins: Ein großes Konzert im Jahr, streng klassisch und professionell. Operettenmusik, zusammen mit den Gesangvereinen, gehörte der Vergangenheit an und damit auch die umfassende Bedeutung, die das Laienorchester für alle Schichten der Lageschen Bevölkerung vor dem Krieg gehabt hatte. 

Der Orchesterverein im "Amtshaussaal", 1951
Den Orchestermitgliedern machte es Spaß unter dem begabten Dirigenten zu spielen und Erfolge zu erringen. Als er anfangs der fünfziger Jahre unerwartet seine Vereinsarbeit beendete, bedeutete es für die Spieler Enttäuschung und Verunsicherung, so plötzlich aus engagiertem und ehrgeizigem Schaffen herausgerissen zu werden. 
Willy Wilke übernahm nun wieder das Amt des musikalischen Leiters. Unter seiner Führung und der Vereinsleitung von Heinrich Tönnies erfreute sich das Orchester während der fünfziger Jahre in Lage allgemeiner Beliebtheit. Doch die Bedeutung der Musikvereine nahm in der Folgezeit durch die ständig wachsende Präsenz von Radio- und Fernsehgeräten in den Haushalten immer mehr ab, und Willy Wilke, ein vielbeschäftigter Detmolder Lehrer und Dirigent, hatte nicht das ausgeprägte Interesse für Lage und seinen Orchesterverein wie einst Richard Böhm und der Musiklehrer der Freiligrathschule Paul Oskar Nebelsiek. Er war auch nicht so streng und wollte es eher jedem recht machen. Bei einem Konzert im Amtshaussaal unter seiner Leitung kam es zu einer schwerwiegenden Panne im Zusammenspiel des Orchesters, die neben den anderen erwähnten Ursachen zur allmählichen Auflösung des Vereins beitrug. 
Nach dem Tod von Willy Wilke im Jahr 1957 wurde kein neuer Dirigent mehr verpflichtet, und das verkleinerte Orchester wirkte nur noch ganz vereinzelt bei öffentlichen Veranstaltungen mit. Geprobt wurde in einem Nebenraum der „Reichskrone“, wo ein Klavier stand, das wechselnd als Ersatz für andere fehlende Instrumente eingesetzt wurde. Von der Reichskrone wich man auf die Bürgerschule aus, und ganz zum Schluß stand nur noch das katholische Gemeindehaus für regelmäßige Übungsabende zur Verfügung. Das letzte Konzert zum Tag der Hausmusik fand 1965 statt, die letzte Generalversammlung unter dem Vorsitzenden August Frohne am 9. Februar 1968. Am 26. März 1968 versammelte sich ein Gremium aus aktiven Mitgliedern im Café Fernes in der Von-Cölln-Straße, um über die Auflösung des Vereins zu beraten. Zur endgültigen Beschlußfassung darüber kam es aber erst zweieinhalb Jahre später, am 6. 10. 1970. Einige der Anwesenden hatten dem Orchesterverein fast fünfzig Jahre die Treue gehalten. Der Abschied fiel allen schwer. 

Hausmusik, 1958 - 1968
In einer Zeit wirtschaftlicher Not ins Leben gerufen, hatte das kleine Laienorchester das Kulturleben in Lage entscheidend verändert, zum Wohl und Nutzen vieler Menschen. Daran soll mit diesem Text erinnert werden.